Und wieder ein Anschlag. Heute hat es Moskau getroffen.
Freilich tun mir die Opfer leid. Selbstverständlich hatte ich auch gleich meinen Opa angerufen, weil er des Öfteren aus geschäftlichen Gründen nach Moskau fliegt. Nein, er ist zu Hause und landet auch sonst nicht in Domodedovo. Puh, eine gewisse Erleichterung. Es gibt vermutlich nichts Schlimmeres, als einen Verwandten oder guten Bekannten bei einem Anschlag zu verlieren. Kein Tod ist so zufällig. Und ein mit Sprengstoff präparierter Zufall ist kein schönes Ende. Darum soll's aber erstmal nicht gehen - wie oberflächlich von mir.
Was mich viel mehr beunruhigt ist die Zukunft. Dabei schließe ich eine Teilnahme an einem Anschlag aus. Davor habe ich im Grunde genommen gar keine Angst. Zufall war die letzten 20 Jahre mein treuer Sklave. Unsere Politiker machen mich hingegen wütend. Ich sehe jetzt schon an beinah jedem Bahnhof einen Streifenwagen und nicht gerade wenige Uniformierte bewaffnet mit vollautomatischen Argumenten. Im Innern zittern und beten sie. "Nicht hier & nicht jetzt, bitte." Ich kenne das und verstehe sie. Sie fürchten nämlich das Gesetz, das sie aber gleichzeitig hüten und vertreten. Bei einer Erörterung würden sie kläglich versagen, weil sie nicht wissen, wann sie ihre Argumente einsetzen dürfen. Und ob überhaupt. Die meisten von euch werden das nicht kennen. Es wundert mich auch gar nicht. Interviewt werden nicht die Angst verbreitenden Jungs mit schwarzen Schießprügeln.
Teure Anzüge, akkurat gebundene Krawatten und gewählte Worte machen aber auch mehr Eindruck. Dazu die vollkommene Sicherheit und Ruhe. Hier macht sich die wahre Wirkung der Medien erst richtig bemerkbar.
Ein Otto-Normalverbraucher gibt sich mit einer kurzen Rede der Kanzlerin im Ersten total zufrieden. Er hat gar keine Zeit, weiter darüber nachzudenken... die Werbung auf Pro7 ist doch gleich rum und er muss noch auf's Klo. Und so geht er total beruhigt in's Bett. Die Folgen: "Freiheit" aus der Nationalhymne wird immer kleiner geschrieben.
Fazit: Osama-Masche zieht immer noch. Schwarze, dichte Bärte - schlecht. Bundestag - die Guten.
Was haben sie zu verbergen, dass sie jetzt die Guten spielen? Armut, fehlende Sozialhilfe, Obdachlosigkeit, Abtreibung, kranke und mutterlose Kinder, Krankheit, Bürgerkriege, Atommüll, Umweltverschmutzung, Abholzung der Wälder. Ist es nicht das, was uns Angst machen sollte, worum sie sich kümmern sollten?



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